
Brandschutz | Mechanische Entrauchung
Brandschutz für das FIEGE Logistikzentrum Dieburg
Für das FIEGE Logistikzentrum Rhein-Main in Dieburg realisierte Colt eine mechanische Entrauchungsanlage mit 90 T-Liberator-Rauchgasventilatoren. Das System unterstützt die tägliche Hallenlüftung und führt im Brandfall Rauch sowie heiße Brandgase kontrolliert über das Dach ab.
Mechanische Entrauchung für mehr als 90.000 Quadratmeter Logistikfläche
Das FIEGE Logistikzentrum Rhein-Main befindet sich im hessischen Dieburg zwischen den Autobahnen A3 und A5. Mit dem im März 2015 fertiggestellten Neubau erweiterte der internationale Logistikdienstleister seine verfügbaren Flächen um mehr als 90.000 m². Der Gebäudekomplex dient als Logistiklager für Reifen und steht auf einem rund 160.000 m² großen Grundstück.
Das Mega Center verfügt über 84 Anliefertore. Eine über die gesamte Gebäudelänge geführte Mezzaninebene nimmt Verwaltungs- und Sozialräume auf. Die Fassade besteht aus Sandwichplatten sowie einer Stahlkassettenwand mit Trapezblechverkleidung. Aufgrund der großen Hallenflächen, der Lagerbelegung und der mehrgeschossigen Gebäudestruktur stellte das Brandschutzkonzept besondere Anforderungen an die Rauchableitung.
Colt realisierte für den Neubau eine mechanische Rauchabzugsanlage mit dachintegrierten Rauchgasventilatoren. Das System übernimmt zwei Betriebsfunktionen: Im Alltag dient es der Entlüftung und Nachtauskühlung der Lagerbereiche. Im Brandfall führt es Rauch und heiße Brandgase maschinell aus dem Gebäude ab.
Durch diese Doppelnutzung werden die installierten Geräte nicht ausschließlich für den Notfall vorgehalten. Sie sind in den regulären Gebäudebetrieb eingebunden und unterstützen zugleich die im Brandschutzkonzept festgelegte Entrauchung.
Case History
Projekt: FIEGE Logistikzentrum Rhein-Main
Ort: Dieburg, Deutschland
Gebäudetyp: Logistik
Anforderungsprofil: Brandschutzkonzept, tägliche Hallenentlüftung, Nachtauskühlung und maschinelle Entrauchung
Lösung: Dachintegriertes Brandlüftungssystem für Normal- und Brandbetrieb
Produkt: Liberator

90 T-Liberator-Rauchgasventilatoren für neun Brandabschnitte
Das Logistiklager wurde entsprechend dem vorliegenden Brandschutzkonzept in neun gleich große Brandabschnitte gegliedert. Brandwände trennen die einzelnen Bereiche voneinander und begrenzen eine mögliche Ausbreitung von Feuer und Rauch über den gesamten Gebäudekomplex.
Für die maschinelle Entrauchung installierte Colt insgesamt 90 Rauchgasventilatoren des Typs T-Liberator. Die Geräte wurden speziell für den Dacheinbau entwickelt und als Axialventilatoren mit vertikalem Luftausstoß in die Dachkonstruktion integriert. Ihre flache Bauweise reduziert die für den Einbau erforderliche Dachöffnungsfläche.
Eine Einlaufdüse unterstützt die gleichmäßige Anströmung des Ventilators. Dadurch kann ein hohes Abluftvolumen bei begrenzter Stromaufnahme erreicht werden. Das aus einer Aluminiumlegierung gefertigte Gehäuse hält zugleich das Gewicht der Dachgeräte niedrig.
Vier federbelastete Rückschlagklappen schließen automatisch, sobald der Motor stillsteht. Für das Öffnen der Klappen ist keine zusätzliche Energiequelle erforderlich. Sobald der Ventilator anläuft, werden die Klappen durch den erzeugten Luftstrom geöffnet. Nach dem Abschalten fallen sie selbsttätig in ihre geschlossene Stellung zurück.
Die vollständige Verkabelung der Entrauchungsanlage wurde mit Funktionserhalt ausgeführt. Auch die Schaltschränke erhielten E30-Gehäuse, damit die für den Rauchabzug erforderlichen Steuerungs- und Versorgungsfunktionen im Brandfall für den vorgesehenen Zeitraum erhalten bleiben.
Doppelte Betriebsfunktion
Entrauchung, Lüftung und Nachtauskühlung
Die T-Liberator-Geräte sind sowohl in den täglichen Hallenbetrieb als auch in das Brandschutzkonzept eingebunden. Im Normalbetrieb führen sie erwärmte oder verbrauchte Luft aus den Lagerbereichen ab. Während kühler Nachtstunden können sie außerdem die Nachtauskühlung des Gebäudes unterstützen.
Im Brandfall wechseln die Ventilatoren in den Entrauchungsbetrieb. Rauch und heiße Brandgase werden maschinell über das Dach abgeführt. Die vertikale Ausblasrichtung leitet die belastete Luft oberhalb des Gebäudes aus und hält die Dachöffnungen vergleichsweise kompakt.

Maschineller Rauchabzug unterstützt Fluchtwege und Brandbekämpfung
Im Brandfall entstehen innerhalb kurzer Zeit große Mengen Rauch und heißer Brandgase. Diese können die Sicht einschränken, Flucht- und Rettungswege gefährden und die Arbeit der Einsatzkräfte erschweren. Die mechanische Rauchabzugsanlage im FIEGE Logistikzentrum dient dazu, diese Rauchmengen kontrolliert aus den betroffenen Hallenbereichen abzuführen.
Die eingesetzten T-Liberator-Ventilatoren erfüllen nach den Projektangaben die Temperatur-Zeit-Klassifizierungen F200, F300 und F400 gemäß DIN EN 12101-3:2002. Die Klassifizierung beschreibt, für welche Temperatur und Betriebsdauer ein Rauchgasventilator geprüft wurde. Dokumentiert sind F200 mit 200 °C für 120 Minuten, F300 mit 300 °C für 60 Minuten sowie F400 mit 400 °C für 120 Minuten.
Durch die maschinelle Abführung kann die Rauchausbreitung innerhalb des betroffenen Brandabschnitts begrenzt und gelenkt werden. Ziel ist es, raucharme Bereiche zu unterstützen, die Orientierung im Gebäude zu verbessern und den Zugang zum Brandherd zu erleichtern. Gleichzeitig kann die Abfuhr heißer Brandgase die thermische Belastung der Konstruktion reduzieren und die Gefahr einer schnellen Brandausbreitung mindern.
Das Projekt in Dieburg zeigt, wie sich tägliche Hallenlüftung und sicherheitsgerichtete Entrauchung innerhalb eines gemeinsamen Dachsystems verbinden lassen. Entscheidend sind dabei nicht nur die Ventilatoren selbst, sondern auch ihre Verteilung auf die Brandabschnitte, die elektrische Versorgung mit Funktionserhalt sowie die abgestimmte Steuerung der gesamten Anlage.
FAQ
Wie funktioniert die mechanische Entrauchung im FIEGE Logistikzentrum?
Im Logistikzentrum sind 90 T-Liberator-Rauchgasventilatoren in die Dachkonstruktion integriert. Im Brandfall saugen die Geräte Rauch und heiße Brandgase aus dem betroffenen Hallenbereich ab und führen sie vertikal über das Dach nach außen. Das Gebäude ist in neun durch Brandwände getrennte Brandabschnitte gegliedert. Dadurch kann die Entrauchung auf den jeweils betroffenen Bereich konzentriert werden. Die Verkabelung und die Schaltschränke wurden mit Funktionserhalt ausgeführt, damit die Anlage auch unter Brandbedingungen für den vorgesehenen Zeitraum betrieben werden kann.
Welche Aufgaben übernehmen die T-Liberator-Geräte im Normalbetrieb?
Die Ventilatoren werden nicht ausschließlich für den Brandfall vorgehalten. Im täglichen Betrieb dienen sie der mechanischen Entlüftung der Lagerhallen. Sie führen erwärmte oder verbrauchte Luft aus dem Gebäude ab und unterstützen einen geregelten Luftaustausch. Darüber hinaus können sie während kühler Nachtstunden für die Nachtauskühlung eingesetzt werden. Dabei wird gespeicherte Wärme aus der Halle abgeführt, bevor die Außentemperaturen am folgenden Tag wieder ansteigen. Das gleiche Gerät übernimmt somit Funktionen der Betriebslüftung und des vorbeugenden Brandschutzes.
Warum wurde das Logistikzentrum in Brandabschnitte unterteilt?
Brandabschnitte begrenzen die Ausbreitung von Feuer und Rauch innerhalb eines großen Gebäudes. Im FIEGE Logistikzentrum trennen Brandwände neun gleich große Bereiche voneinander. Diese Unterteilung ermöglicht es, die sicherheitstechnischen Maßnahmen auf überschaubare Gebäudebereiche auszulegen. Im Ereignisfall soll verhindert werden, dass sich Rauch ungehindert über die gesamte Lagerfläche verteilt. Gleichzeitig erleichtert die Gliederung die Zuordnung der Rauchabzugsgeräte und unterstützt einen kontrollierten Anlagenbetrieb im betroffenen Abschnitt.
Was bedeutet die Klassifizierung F200, F300 oder F400?
Die Temperatur-Zeit-Klassifizierung gibt an, unter welchen thermischen Bedingungen ein Rauchgasventilator für eine bestimmte Dauer betrieben werden kann. Nach den Projektdaten erfüllen die eingesetzten Liberator-Geräte die Klassen F200, F300 und F400 gemäß DIN EN 12101-3:2002. F200 bezeichnet einen Betrieb bei 200 °C für 120 Minuten, F300 einen Betrieb bei 300 °C für 60 Minuten und F400 einen Betrieb bei 400 °C für 120 Minuten. Welche Klasse für einen konkreten Einsatz erforderlich ist, ergibt sich aus dem Brandschutzkonzept und der Anlagenplanung.
Welche Funktion haben die Rückschlagklappen des Liberator?
Der T-Liberator besitzt vier federbelastete Rückschlagklappen. Bei stillstehendem Motor schließen sie automatisch und verschließen die Geräteöffnung. Sobald der Ventilator in Betrieb geht, öffnet der erzeugte Luftstrom die Klappen. Dafür ist keine zusätzliche Energiequelle oder ein separater Antrieb erforderlich. Nach dem Abschalten fallen die Klappen selbsttätig wieder in ihre geschlossene Position. Diese Konstruktion vereinfacht den Geräteaufbau und unterstützt einen definierten Zustand des Dachventilators außerhalb des Lüftungs- oder Entrauchungsbetriebs.
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