
Brandschutz | RWA-Anlage und Tageslicht
RWA-Anlage für die Gießerei SLR
Für das europäische Distributionszentrum von Medline in Kleve realisierte Colt ein lufttechnisches Gesamtkonzept für Lüftung, Entrauchung und Tageslichtnutzung. Typhoon-Entlüfter, ColtLite-Lamellenfenster und Cosmotron-Lichtbänder unterstützen sichere Betriebsbedingungen und eine gleichmäßige Ausleuchtung der Lagerhallen.
Brandschutzkonzept für die sanierte Gießereihalle
Die Gießerei St. Leon-Rot GmbH ist das Stammwerk und der Hauptsitz der SLR-Gruppe. Im Zuge einer umfassenden Gebäudesanierung sollte die bestehende Halle brandschutztechnisch und lufttechnisch neu geordnet werden. Das Gebäude ist etwa 125 Meter lang und rund 50 Meter breit. Produktionsprozesse und hohe innere Wärmelasten stellen dort besondere Anforderungen an die tägliche Be- und Entlüftung.
Colt setzte ein Brandschutzkonzept um, das natürlichen Rauch- und Wärmeabzug, Zuluftführung, regensichere Lüftung und Tageslichtversorgung miteinander verbindet. Dazu wurden die vorhandenen Oberlichter entfernt und durch unterschiedlich lange Cosmotron-Lichtbänder ersetzt. In diese Dachkonstruktion integrierte Colt Weatherlite- und ECO-Module.
Im normalen Produktionsbetrieb kann erwärmte Hallenluft über die Dachöffnungen entweichen. FCO-Lüftungsjalousien führen die erforderliche Außenluft nach. Im Brandfall öffnen die natürlichen Rauch- und Wärmeabzugsgeräte automatisch und leiten Rauch sowie heiße Brandgase aus dem Gebäude.
Die einzelnen Komponenten wurden nicht unabhängig voneinander ausgelegt. Rauchabzugsflächen, Zuluftflächen, Steuerung und Lichtbandkonstruktion folgen einem gemeinsamen Anlagenkonzept, das mit dem zuständigen Brandschutzgutachter abgestimmt wurde.
Case History
Projekt: Gießerei St. Leon-Rot GmbH
Ort: St. Leon-Rot, Deutschland
Gebäudetyp: Gießerei
Anforderungsprofil: Umsetzung des Brandschutzkonzepts, natürliche Be- und Entlüftung sowie Tageslichtversorgung
Lösung: Kombiniertes Dach- und Fassadensystem für natürlichen Rauchabzug, Zuluft, regensichere Lüftung und Tageslicht
Produkt: ECO, FCO, Weatherlite, Cosmotron

ECO und Weatherlite sichern Rauchabzug und Hallenlüftung
Colt installierte insgesamt 48 Weatherlite-Module. Diese ermöglichen eine permanente natürliche Entlüftung und sind so konstruiert, dass Wärme auch bei Regen aus der Produktionshalle abgeführt werden kann. Der wettergeschützte Luftweg verhindert, dass Niederschlag unkontrolliert in die Halle eindringt.
Jedes Weatherlite-Modul wurde mit einem RWA-Lamellenlüfter des Typs ECO kombiniert. Die 48 ECO-Geräte öffnen im Brandfall automatisch und stellen die für das Brandschutzkonzept erforderlichen Rauchabzugsflächen bereit. Rauch und heiße Brandgase können über den thermischen Auftrieb nach außen entweichen.
Insgesamt verteilen sich die Rauch- und Wärmeabzugsfunktionen auf 28 Dachausschnitte. Auf Grundlage der Hallengeometrie und in Abstimmung mit dem Brandschutzgutachter wurde eine erforderliche Rauchabzugsfläche von rund 297 m² ermittelt.
Fünf Pneumatikschränke übernehmen die Steuerung der natürlichen Rauch- und Wärmeabzugsanlage. Die Auslösung erfolgt über Rauchmelder. Dadurch wechseln die Geräte im Ereignisfall automatisch aus dem regulären Lüftungsbetrieb in ihre sicherheitsgerichtete Stellung.
Die Kombination von Weatherlite und ECO erlaubt es, dieselben Dachbereiche sowohl für die tägliche Wärmeabfuhr als auch für den natürlichen Rauchabzug zu nutzen.
Definierte Nachströmung
FCO-Jalousien führen Außenluft nach
Ergänzend zu den Dachgeräten installierte Colt 18 FCO-Lüftungsjalousien. Sie unterstützen im normalen Betrieb die natürliche Zu- und Abluftführung der Gießereihalle.
Im Brandfall stellen die Fassadenelemente einen wesentlichen Teil der erforderlichen Zuluftfläche von mindestens 63 m² bereit. Die nachströmende Außenluft ersetzt das über die Dachgeräte abgeführte Rauchgasvolumen und unterstützt die gerichtete Strömung zu den Rauchabzugsöffnungen. Ohne ausreichende Zuluft könnte die Wirksamkeit der natürlichen Rauchabzugsanlage beeinträchtigt werden.

Cosmotron-Lichtbänder verbinden Tageslicht und Durchsturzsicherheit
Neben der Erneuerung des Rauchabzugs war die natürliche Belichtung der Produktionshalle ein zentraler Bestandteil der Sanierung. Die alten Oberlichter wurden durch Cosmotron-Lichtbänder mit Einzellängen zwischen fünf und 15 Metern ersetzt. Durch ihre Anordnung im Dach gelangt Tageslicht großflächig und von oben in die Gießerei.
Die Lichtbänder wurden in opaler Ausführung umgesetzt. Das lichtstreuende Material reduziert direkte Blendung und unterstützt eine gleichmäßigere Verteilung des Tageslichts in der Halle. Dadurch entstehen geringere Helligkeitsunterschiede als bei vollständig klaren Dachelementen. Während nutzbarer Tageslichtstunden kann zudem der Bedarf an künstlicher Beleuchtung reduziert werden.
Die Konstruktion besteht aus Aluminiumprofilen und wärmedämmenden Polycarbonat-Stegplatten. Nach den Projektangaben entsprechen die Cosmotron-Lichtbänder den Prüfgrundsätzen GS-BAU-18 und bieten eine dauerhafte Durchsturzsicherheit. Zusätzliche Netze, Gitter oder Baustahlmatten waren deshalb für diese Funktion nicht erforderlich.
Das Projekt zeigt, wie sich die Sanierung einer Industriehalle über mehrere technische Ebenen hinweg planen lässt. Die Lichtbänder übernehmen die Tageslichtversorgung, Weatherlite unterstützt die regensichere Entlüftung, ECO stellt den natürlichen Rauchabzug bereit und FCO ermöglicht die erforderliche Luftnachströmung. Die pneumatische Steuerung verbindet diese Komponenten zu einer funktionsfähigen Gesamtanlage.
Normal- und Brandbetrieb
Ein System mit mehreren Betriebsfunktionen
Im Alltag führt das System überschüssige Prozesswärme aus der Gießereihalle ab und versorgt das Gebäude über die Fassadenöffnungen mit Außenluft. Gleichzeitig bringen die Cosmotron-Lichtbänder natürliches Licht in die Produktionsbereiche.
Bei einer Rauchdetektion steuern die Pneumatikschränke die ECO-Geräte in ihre vorgesehene Brandstellung. Die entstehende Rauchschicht wird über das Dach abgeführt, während FCO-Jalousien die erforderliche Nachströmung unterstützen. So wechseln dieselben baulichen Öffnungen von der täglichen Lüftungsfunktion in den sicherheitsgerichteten Betrieb.

FAQ
Wie funktioniert die RWA-Anlage in der Gießerei SLR?
Die natürliche Rauch- und Wärmeabzugsanlage nutzt den thermischen Auftrieb heißer Brandgase. Bei einer Auslösung durch die Rauchmelder öffnen die ECO-Lamellenlüfter in den Dachausschnitten. Rauch und Wärme steigen auf und entweichen über die freigegebenen Flächen. Gleichzeitig strömt über die FCO-Lüftungsjalousien Außenluft nach. Diese Zuluft unterstützt die Strömung in Richtung der Dachöffnungen und verhindert ungünstige Druckverhältnisse innerhalb der Halle.
Warum benötigt die Rauchabzugsanlage Zuluftflächen?
Wenn Rauch und heiße Luft über das Dach aus der Halle entweichen, muss ein entsprechendes Luftvolumen von außen nachströmen. Andernfalls kann ein Unterdruck entstehen, der die vorgesehene Strömung beeinträchtigt. In der Gießerei stellen 18 FCO-Lüftungsjalousien die natürliche Luftnachströmung bereit. Das Brandschutzkonzept sieht dafür eine Zuluftfläche von mindestens 63 m² vor.
Welche Vorteile bietet die opale Ausführung der Lichtbänder?
Opale Polycarbonat-Stegplatten streuen das einfallende Tageslicht. Dadurch wird die Gefahr direkter Blendung reduziert und das Licht gleichmäßiger über die Produktionsfläche verteilt. Gleichzeitig unterstützen die Stegplatten die Wärmedämmung der Dachkonstruktion. Die Cosmotron-Lichtbänder verbessern damit die Tageslichtnutzung, ohne stark konzentrierte Licht- und Schattenzonen in der Halle zu erzeugen.
Wie wird die RWA-Anlage ausgelöst und gesteuert?
Fünf Pneumatikschränke steuern und regeln die angeschlossenen Rauch- und Wärmeabzugsgeräte. Die automatische Auslösung erfolgt über Rauchmelder. Wird Rauch erkannt, erhalten die vorgesehenen ECO-Geräte das Signal zum Öffnen. Die pneumatische Steuerung sorgt dafür, dass die Komponenten entsprechend dem Brandschutzkonzept ihre festgelegten Stellungen einnehmen.
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