
Sonnenschutz | Textiler Fassadensonnenschutz
Bewegliche Schiebeläden am Kaispeicher Harburg
Am historischen Kaispeicher im Hamburger Binnenhafen realisierte Colt eine Sonnenschutzfassade aus festen und beweglichen Textilelementen. Die Anlage verbindet Verschattung und Durchsicht mit einer Fassadengestaltung, die auf Wasser, Segel und Lichtreflexionen Bezug nimmt.
Sonnenschutz für historische Speicherbauten in Hamburg-Harburg
Der Kaispeicher am Veritaskai gehört zum Entwicklungsgebiet Channel Hamburg im Harburger Binnenhafen. Der vierteilige Gebäudekomplex verbindet denkmalgeschützte Speicherbauten mit einem gläsernen Neubau und wird heute für Büros und Gastronomie genutzt. Der ursprüngliche Getreidespeicher entstand 1928 und wurde in den folgenden Jahrzehnten um weitere Bauteile ergänzt.
Bei der Umnutzung sollte der industrielle Charakter des Standorts erhalten und zugleich eine zeitgemäße Gebäudehülle geschaffen werden. Für die Ostfassade entwickelte die Architektin Nina Vogler deshalb eine Sonnenschutzgestaltung, deren Formen an Wasser, Schiffe und Segel erinnern. Unterschiedlich geneigte Textilelemente greifen die Lichtreflexionen des angrenzenden Hafenbeckens auf.
Colt übernahm die technische Entwicklung, Fertigung und Montage der Anlage. Zum Einsatz kam eine Sonderkonstruktion aus feststehenden und beweglichen Schiebeläden mit textiler Bespannung. Sie schützt die verglasten Bürobereiche vor direkter Sonneneinstrahlung, ohne die Sicht aus dem Gebäude vollständig zu unterbrechen.
Die Fassadenlösung erfüllt damit mehrere Aufgaben: Sie begrenzt solare Wärmeeinträge, unterstützt ein angenehmes Innenraumklima und prägt zugleich die äußere Erscheinung des Kaispeichers. Die technische Konstruktion wurde auf die Architektur des Bestands- und Neubauensembles abgestimmt.
Case History
Projekt: Kaispeicher am Veritaskai
Ort: Hamburg-Harburg, Hamburg, Deutschland
Gebäudetyp: Historischer Speicherkomplex mit Büro- und Gastronomienutzung
Anforderungsprofil: Außenliegender Sonnenschutz, angenehmes Innenraumklima, Transparenz und architektonische Integration
Lösung: Sonderkonstruktion aus feststehenden und beweglichen Schiebeläden mit textiler Membran

207 Sonnenschutzläden erzeugen eine bewegte Fassadenstruktur
An der Ostfassade wurden insgesamt 180 Sonnenschutzläden montiert. Davon sind 81 Elemente beweglich und 99 feststehend. Pro Geschoss wechseln sich jeweils neun bewegliche und elf starre Elemente ab. Ein zusätzlicher Fassadenstreifen auf der Südseite ist mit 27 feststehenden Läden ausgestattet. Insgesamt umfasst die Anlage damit 207 Elemente auf einer Fläche von etwa 870 Quadratmetern.
Die beweglichen Schiebeläden fahren beim Öffnen hinter die feststehenden Elemente. Dadurch verändert sich das Fassadenbild abhängig von Stellung, Tageszeit und Nutzung. Die wechselnden Überlagerungen erzeugen unterschiedliche Muster und greifen gestalterisch die Bewegung einer Wasseroberfläche auf.
Zusätzlich stehen die einzelnen Rahmen nicht parallel zur Gebäudehülle. Unterschiedlich lange Befestigungselemente führen dazu, dass sie um plus oder minus zehn Grad zur Fassade geneigt sind. Über die neun Obergeschosse entsteht dadurch eine wellenförmige Struktur.
Vor der Fertigung baute Colt im Werk in Kleve eine Musteranlage auf. Im werkseigenen Testcenter wurden die Bewegungsabläufe und technischen Komponenten erprobt. Dieses Vorgehen war insbesondere wegen der verschiedenen Neigungswinkel und der Kombination aus festen und beweglichen Elementen erforderlich.
Die Anlage wurde damit nicht als standardisiertes Schiebeladensystem ausgeführt. Konstruktion, Befestigung, Bewegungsmechanik und Steuerung wurden entsprechend den architektonischen Vorgaben für den Kaispeicher entwickelt.
Transparente Textilmembran
Verschattung bei erhaltener Sichtverbindung
Das tragende Element jedes Sonnenschutzladens ist ein eloxierter Aluminiumrahmen. Die Rahmen sind 3,26 Meter hoch und an der Ostfassade 1,24 Meter breit. An der Südfassade wurden breitere Ausführungen eingesetzt.
Die Bespannung besteht aus einem beidseitig PVC-beschichteten Polyester-Netzgittergewebe. Das eingesetzte Material ist UV-beständig und nach den Projektdaten schwer entflammbar in der Baustoffklasse B1.
Die offene Gewebestruktur schirmt direkte Sonneneinstrahlung ab, erhält jedoch die Durchsicht von innen nach außen. Dadurch werden Blendschutz, visueller Komfort und der Bezug zum Harburger Binnenhafen miteinander verbunden.

Rollwagen, Elektromotoren und Steuerung nach Sonnenstand
Die gesamte Sonnenschutzanlage ist über Stahlschwerter und horizontale Riegelprofile an der Gebäudefassade befestigt. Die unterschiedlich langen Stahlschwerter erzeugen die wechselnden Neigungswinkel der einzelnen Elemente. An den Riegelprofilen sind sowohl die festen Rahmen als auch die Führungsschienen der beweglichen Schiebeläden montiert.
Die beweglichen Rahmen laufen auf Rollwagen. Elektromotoren treiben die Wagen über Riemen an und verschieben die Schiebeläden parallel zur Fassade. Beim Öffnen fährt ein bewegliches Element hinter einen feststehenden Laden. Die Mechanik musste deshalb auf die geneigte Fassadenstruktur und die begrenzten Überlagerungsbereiche abgestimmt werden.
Die zentrale Steuerung richtet die Stellung der Schiebeläden nach Sonnenstand und aktuellen Witterungsbedingungen aus. Festgelegte Zeitfenster sorgen dafür, dass die jeweils betroffenen Fassadenbereiche im Tagesverlauf verschattet werden. Nutzer können die Position der beweglichen Elemente zusätzlich über Handtaster in den Innenräumen verändern.
Wind- und Frostwächter ergänzen das Steuerungskonzept. Werden festgelegte Witterungsbedingungen erreicht, fährt die Anlage automatisch in eine geschützte Ruheposition. Dadurch werden die beweglichen Elemente und ihre Antriebe bei hohen Windlasten oder Frost vor unnötiger mechanischer Beanspruchung geschützt.
Der Kaispeicher verbindet damit architektonische Gestaltung und technische Funktion. Die bewegliche Fassade reagiert auf Sonne, Witterung und individuelle Nutzeranforderungen, ohne ihren Bezug zur historischen Hafenarchitektur zu verlieren.
Sonderkonstruktion von Colt
Vom Fassadenentwurf bis zur geprüften Anlage
Die unterschiedlichen Neigungen und Bewegungsrichtungen stellten besondere Anforderungen an Rahmen, Befestigung und Führungsschienen. Colt übertrug den architektonischen Entwurf deshalb zunächst in eine funktionsfähige Musteranlage.
Im Testcenter in Kleve wurden Bewegungsabläufe, Antriebe und konstruktive Schnittstellen geprüft. Anschließend fertigte Colt die Aluminiumrahmen und die zugehörigen Fassadenkomponenten für die Montage in Hamburg-Harburg.
Die Vorprüfung reduzierte technische Unsicherheiten bei der späteren Installation und stellte sicher, dass starre und bewegliche Elemente trotz ihrer unterschiedlichen Winkel als zusammenhängendes System funktionieren.

Sonnenschutz und Fassade
Bewegliche Sonnenschutzfassade mit Colt planen
Colt entwickelt feste und bewegliche Sonnenschutzsysteme für Bürogebäude, öffentliche Bauten und weitere anspruchsvolle Fassaden. Konstruktion, Material, Antrieb und Steuerung werden auf Architektur, Nutzung und standortbezogene Witterungsbedingungen abgestimmt.
FAQ
Wie funktioniert der textile Sonnenschutz am Kaispeicher?
Die Anlage besteht aus feststehenden und beweglichen Sonnenschutzläden. Die beweglichen Elemente laufen auf motorisch angetriebenen Rollwagen und fahren beim Öffnen hinter die feststehenden Läden. Eine zentrale Steuerung positioniert sie abhängig von Sonnenstand, Tageszeit und Witterung. Zusätzlich können die Nutzer die Stellung über Handtaster verändern. Wind- und Frostwächter fahren das System bei kritischen Wetterbedingungen automatisch in eine geschützte Position.
Wie viele Sonnenschutzläden wurden am Kaispeicher installiert?
Insgesamt wurden 207 Sonnenschutzläden montiert. An der Ostfassade befinden sich 81 bewegliche und 99 feststehende Elemente. Weitere 27 feststehende Läden bilden einen Fassadenstreifen an der Südseite. Die Anlage beschattet neun Obergeschosse und erstreckt sich über eine Gesamtfläche von etwa 870 Quadratmetern.
Warum wurde ein transparentes Textilgewebe verwendet?
Das Netzgittergewebe reduziert die direkte Sonneneinstrahlung vor den verglasten Bürobereichen. Gleichzeitig bleibt aufgrund seiner offenen Struktur die Sicht von innen nach außen weitgehend erhalten. So werden Verschattung und visueller Komfort miteinander verbunden. Das Gewebe ist beidseitig PVC-beschichtet, UV-beständig und nach den Projektdaten schwer entflammbar in der Baustoffklasse B1.
Wie entsteht die wellenförmige Fassadenwirkung?
Die einzelnen Sonnenschutzrahmen sind in unterschiedlichen Winkeln zur Fassade montiert. Verschieden lange Stahlschwerter erzeugen Neigungen von plus oder minus zehn Grad. Gleichzeitig wechseln sich feste und bewegliche Elemente ab. Durch ihre verschiedenen Positionen und Überlagerungen entsteht über die neun Geschosse eine Fassadenstruktur, die an Wellen und Lichtreflexionen auf Wasser erinnert.
Wie werden die Schiebeläden vor Wind und Frost geschützt?
Die Steuerung ist mit automatischen Wind- und Frostwächtern verbunden. Werden definierte Grenzbedingungen erreicht, fahren die beweglichen Schiebeläden in ihre Ruheposition. Dadurch wird verhindert, dass Antriebe, Rollwagen oder textile Rahmen bei ungünstigen Witterungsverhältnissen unnötig belastet werden. Die Schutzfunktion arbeitet ergänzend zur sonnenstandsabhängigen Steuerung und zur individuellen Bedienung.
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